Sinn und Zweck dieser Stiftung

Stiftungen sind Investitionen in die Zukunft bzw. Zukunftssicherung unserer Kinder, unserer Nachkommen. Bei den menschlichen Bemühungen um materielle Absicherungen geraten die geistigen, politischen, ökologischen Rahmenbedingungen allzu oft in den Hintergrund. Dabei ist eine lebbare Zukunft ohne eine von Gemeinschaft getragene konsensfähige Werteordnung nicht möglich. Ohne Wurzeln und ohne Zielvorstellungen: keine Zukunft!

In Deutschland denkt man seit dem Ende des zweiten Weltkrieges, zumal seit jener Initiative von R. Schuman am 9. Mai 1950 zunehmend europäisch. "Europäisch" hieß seinerzeit zugleich "westlich". - Neuerdings wird diese Wertegemeinschaft, die sich als Modell verstand, durch verschiedene Entwicklungen (EU-Osterweiterung, Globalisierung, Terrorismus, Hegemonialstreben der Neokonservativen in den USA) Veränderungen und Belastungen ausgesetzt. Um so dringlicher erscheint es, sich Rechenschaft darüber abzulegen, was davon man retten kann und will, oder welche Erweiterungen sinnvoll oder notwendig erscheinen.

Das aufklärerische Europa tendierte (nicht ohne problematischen Eurozentrismus) immer schon hin zu einem Weltbürgertum. Verwiesen sei auf I. Kants Schrift "Zum ewigen Frieden", auf seinen kategorischen Imperativ oder auf A. v. Humboldts Sicht von der einen Welt ("Kosmos") in seinem bloße naturwissenschaftliche Forschung überschreitenden Lebens-Werk. Doch auch für ein Weltbürgertum gilt: Ohne Wurzeln und einen auf sie Bezug nehmenden Wertekonsens gibt es keine Zukunft! Darüber kritisch und wachsam zu kommunizieren ist Aufgabe einer demokratischen Öffentlichkeit.

Hier liegt vieles im argen, doch hier gibt es auch Lichtblicke! Diese in ihrer Wahrnehmung und Wirkung zu verstärken, soll eine zentrale Aufgabe dieser Stiftung sein.

Nun mag es in Zeiten von modernem Massentourismus befremdlich erscheinen, wenn eine Stiftung mit der Auslobung eines "Weltbürger-Preises" ausgerechnet den Namen eines Mannes verbindet, der seine Heimatstadt Königsberg nie verlassen hat. Weltbürgertum findet jedoch zuallererst in und mit dem Kopf statt und setzt jenes politische Konzept voraus, das der Organisation friedlichen Zusammenlebens von Individuen, ethnischen, religiösen und/oder nationalen Gemeinschaften nicht die Würde und Freiheit des Einzelnen aufopfert, die nach Kant darin besteht, dass dessen "letzter Zweck" oder "höchstes Gut" ihm - allein schon aus erkenntnistheoretischen Gründen - nicht von außen bzw. von oben bevormundend vorgeschrieben werden kann. Nur insofern der Mensch hier frei wählen kann, ist er politisch auch für sich und alle Mitmenschen verantwortlich (im Sinne jenes kategorischen Imperativs als dem kleinsten gemeinsamen Vielfachen).

Das physische Überleben der Menschheit hat erst und nur auf dieser sittlichen Basis wechselseitiger Freiheitsgarantie eine Chance: mittels eines fortdauernden Aufklärungsprozesses und der Institutionalisierungen von Vernunft, Toleranz und Mitgefühl. Es ist das - aus der europäischen Tradition erwachsene - Vermächtnis Kants an uns Nachgeborene, die politische und soziale Organisation solch menschenwürdiger Freiheit vom einzelnen Rechtsstaat bis zur internationalen Völkergemeinschaft weiter voranzutreiben. Doch wie sollte dies gelingen ohne jene, die auch frei sind vom heute so vorherrschenden Utilitarismus? (Der übersieht im Alltag wirtschaftlicher, politischer und auch religiöser Führungskreise allzu oft, dass kein Mittel zu rechtfertigen ist, das nicht dem im Diesseits einzigen allgemeinen obersten Zweck, der humanen Lebensgemeinschaft in Menschenwürde, förderlich ist.)

Solche Menschen bzw. Gruppierungen, die im demokratischen Diskurs für die Aufrechterhaltung, Durchsetzung bzw. Weiterverbreitung dieser von Kant formulierten ethischen bzw. rechtsstaatlichen und völkerrechtlichen Prinzipien in mutiger und vorbildhafter Weise einstehen bzw., eingestanden sind, soll nun diese Stiftung jeweils alle 2(-3) Jahre am 8. Mai (dem Tag der Befreiung vom Faschismus) bzw. am 9. Mai (dem Europatag der Initiative Robert Schumans) durch die Verleihung eines "Kant-Weltbürger-Preises" ehren und in ihrer Arbeit fördern.